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Angst beim Therapiebegleithund

Angst beim Therapiebegleithund

Dass ein Therapiebegleithund keine Angst haben darf, darfst du getrost in den Bereich der Mythen einordnen. Angst ist eine Emotion, die für das Überleben notwendig ist. Sie löst spezifisches Verhalten aus. Und zwar das sogenannte Meideverhalten. Das Wort impliziert bereits, dass es darum geht etwas oder jemandem aus dem Weg zu gehen, zu meiden. Hätte dein Hund nie Angst, würde er also nicht lange überleben. Die Emotion schützt das Individuum vor Bedrohungen.

Wie Angst beim Therapiebegleithund entstehen kann

Grundsätzlich entscheidet das Gehirn deines Hundes, was für ihn bedrohlich ist. Es macht also Sinn, sich nicht alleine auf deine eigenen Emotionen zu verlassen. Wenn du dich wohlfühlst, kannst du nicht davon ausgehen, dass es deinem Hund auch gerade gut geht. Du solltest immer ein offenes Auge auf deinen Hund haben, um Meideverhalten frühzeitig erkennen zu können. Unsere eigene Stimmung, unsere eigenen Gefühle färben gerne unseren Blick auf den Hund. Deshalb ist hier auch die Basis eine gute Beobachtungsgabe, die Fähigkeit Verhalten beschreiben zu können und dann erst zu interpretieren.

Einige Dinge in unserem Alltag sind für deinen Hund beängstigend, ohne dass er es lernen muss. Wenn er es erst lernen müsste, würde er nicht lange unbeschadet bleiben. So sind plötzlich auftretende Geräusche und laute Geräusche, alles was von oben oder auch plötzlich von hinten kommt, potentiell Angst auslösend.

Einfach so anfassen…

Angst beim Therapiebegleithund

Eine plötzliche Berührung von hinten ist ein immer noch sehr klassisches Beispiel im Bereich der Therapiebegleithunde. Du als Mensch im Team mit deinem Hund solltest alles daran setzen, dass es erst gar nicht zu einer solchen Situation kommt. Der Fokus muss bei dir also in der Verhinderung eines Übergriffes sein. Das kannst du durch eine strukturierte Gestaltung des Settings erreichen.

Selbst in einem relativ freien Setting, wo Mensch und Hund weitestgehend frei interagieren können, braucht es einen Rahmen. Ist der Mensch nicht in der Lage, gewisse Grundregeln im Umgang mit dem Hund umzusetzen, wähle eine andere Art des Settings. Denn jedes Mal, wenn sich dein Hund erschrickt, jedes Mal, wenn dein Hund von hinten unangekündigt angefasst wird, fühlt er sich unwohl.

Die Gefahr, dass die unangenehmen, negativen Momente eines Settings größer und häufiger werden, ist groß. Und das kann dazu führen, dass dein Hund nicht mehr freudig in den Einsatz geht. Davon abgesehen wird dein Hund mit solchen Erfahrungen nach Anzeichen für diese Momente Ausschau halten. Er wird also skeptischer. Die Unbeschwertheit eines neugierigen, offenen Hundes, wie er in der Therapiebegleithundearbeit erwünscht ist, ist damit vorbei.

Rutschige Böden

Ein spiegelnder, rutschiger Boden kann durchaus Angst beim Therapiebegleithund auslösen! Dein Hund bildet sich keineswegs etwas ein. Seine Angst ist immer real. Stell dir einfach eine Eisfläche vor. So ungefähr fühlen sich häufig Bodenbeläge in pädagogischen oder medizinischen Einrichtungen an. Sie müssen leicht zu reinigen sein. Die glatte Oberfläche, die regelmäßige Reinigung und das Polieren sind für Hundepfoten extrem doofes Terrain.

Festhalten

Bewegungseinschränkung ist immer Angst auslösend. Und Menschen neigen dazu, Hunde zu liebkosen. Das machen sie im menschlichen Sinne. Also umarmen sie den Hund. Halten ihn fest, um ihn ausgiebig zu streicheln. Mach dir bewusst, dass das deinem Hund Angst macht!

Angst wird auch gelernt

Dein Hund kann also lernen, in gewissen Situationen alarmiert zu sein. Er kann lernen, dass es Anzeichen dafür gibt, wann etwas gefährlich wird. Das können dann durchaus Dinge sein, die für uns absolut harmlos scheinen. Auch muss die Lernerfahrung nicht einschneidend oder traumatisch sein, wie oft behauptet. Daher ist es elementar, dass wir die Situation nicht aufgrund unserer Bewertung der Umwelt einschätzen, sondern auf das Verhalten des Hundes reagieren.

Was du tun kannst

Wenn du Meideverhalten bei deinem Hund während eines Settings erkennst, solltest du sofort handeln. Denn die Angst beim Therapiebegleithund geht nicht unbedingt von alleine weg. Und an der Stelle ist es sehr wichtig: Der Hund hat Vorrang! Zuerst änderst du die Situation für deinen Hund so, dass er sich wieder wohl und sicher fühlen kann.

Du bietest ihm zum Beispiel ein Targetverhalten an. Sei es ein Körpertarget, dass er erstmal aus der Situation raus kommt. Oder auch gerne ein Objekttarget. Das Stehen in etwas entfernter, erhöhter Position gibt nochmal Sicherheit! Ein Target hat eine gute Lerngeschichte mit lauter positiven Momenten. Es fühlt sich also gut an, das Targetverhalten zu zeigen. Dadurch kann die Angst abklingen.

Eine weiteres schönes Angebot kann sein, deinem Hund Berührungen anzubieten. Dabei solltest du unbedingt darauf achten, dass dein Hund weiß, was du machen willst. Und er dein Angebot eben annehmen kann. Oder auch nicht. Spezifische Ankündigungen einer Berührung und stark ritualisierte Berührungen wie zum Beispiel eine isometrische Übung bieten sich an. Angenehme, freiwillige Berührungen schütten unter anderem Oxytocin aus. Dieses Hormon ist ein wesentlicher Gegenspieler zu den Hormonen, die bei Angst ausgeschüttet werden.

Ein Ankerpunkt, der zusätzlich Sicherheit gibt, ist die reisende Hunde-Oase. Sie spielt eine Zentrale Rolle. Nicht nur bei der Angst beim Therapiebegleithund. Sie kommt in jedes Setting mit und dient als Rückzugsort für deinen Hund. Niemand stört ihn an diesem Ort. Deshalb kannst du deinen Hund fragen, ob er sich zurückziehen möchte und ihm etwas Tolles hineinlegen, mit dem er sich dann in Ruhe beschäftigen kann.

Wenn dein Hund gut versorgt ist und dich für einen kurzen Moment nicht braucht, kümmerst du dich natürlich noch um den Menschen. Wenn du für deinen Hund UND den Menschen alleine zuständig bist, wirst du gut genug geschult sein. Beide Rollen zu übernehmen geht nur, wenn Klient:in oder Patient:in kognitiv und körperlich eine gewisse Fitness mitbringen. In vielen Fällen bist du ausschließlich für deinen Hund zuständig. Auch, wenn du eine ausgebildete Fachperson bist. Und für Klient:in oder Patient:in ist noch eine weiter Betreuungsperson vor Ort. Die Rollen sind also klar aufgeteilt.

Nachdem du die Angst beim Therapiebegleithund erkannt hast und die Situation verändert hast, musst du entscheiden, ob deinem Hund eine kurze Pause reicht oder ob ihr anschließend das Setting beenden werdet. In beiden Fällen ist die Kommunikation mit Klient:in oder Patient:in wichtig. Sowohl Mensch, als auch Hund sollten die Möglichkeit eines sanften Ausklanges haben.

In deiner Reflexion solltest du überprüfen, ob du einen konkreten Angstauslöser erkennen konntest. Und welche Maßnahmen du setzen musst, damit es in den nächsten Settings nicht wieder zu einer solchen Situation kommt. Erarbeite mit ihm Lösungsstrategien, die er in Zukunft selbst anwenden kann.