Welche Hunde sind für diesen Beruf geeignet?

Das Feld der Hundeberufe wuchs und veränderte sich in den letzten Jahrzehnten. Aus einigen älteren Hundeberufen wurden Sportarten. Wieder andere werden in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr gebraucht. Und einige neue Berufe für unsere Vierbeiner wurden gefunden bzw. klar definiert. So auch der Therapiebegleithund. Umgangssprachlich wird er auch Therapiehund genannt.

Was machen “Therapiehunde” eigentlich?

Bilder: Anja Landler

Mit Therapiehund wird im Allgemeinen ein ausgebildeter und geprüfter Hund bezeichnet, der mit seiner Halterin oder seinem Halter für eine begrenzte Zeit in der tiergestützten Intervention eingesetzt wird. Der Hund soll durch seine Anwesenheit und Interaktion mit dem Menschen als Teil eines therapeutischen Konzepts eine positive Auswirkung auf die physische und psychische Gesundheit haben.

Hunde alleine stellen noch keine Therapie dar. Sie fungieren in der tiergestützten Therapie als ideale Begleiter. Daher kommt auch der Begriff „Therapiebegleithund“. Der Begriff „Therapie“ kann ebenso irreführend sein. In den meisten Fällen beinhaltet er sowohl therapeutische, als auch pädagogische, psychologische, sozialintegrative oder andere betreuende, begleitende oder beratende Maßnahmen. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation gehören z. B. auch zum Aufgabengebiet des Therapiebegleithunde-Teams. Sie können Menschen mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Einschränkungen und Verhaltensstörungen begleiten. Dies alles fasst man unter dem Begriff tiergestützte Intervention zusammen. Die Hundehalterin oder der Hundehalter setzt ihren oder seinen Therapiebegleithund also für die tiergestützte Intervention in verschiedenen Bereichen ein.

Ein Therapiebegleithund arbeitet mit seiner Halterin oder mit seinem Halter nur für eine kurze, dafür intensive, Zeit bis zu zwei Mal die Woche mit einem Menschen oder mit einer Kleingruppe. In seiner Freizeit ist er ein ganz normaler Hund.

Welche Hunde sind als Therapiehunde geeignet?

Therapiebegleithunde sind ganz normale Hunde
Sie haben bestimmt schon einiges über Therapiebegleithunde gelesen oder gehört. Und es gibt auch viele Vorurteile gegenüber dieser Ausbildung bzw. dem Einsatz dieser Hunde. Was steckt tatsächlich dahinter?

„Therapiebegleithunde sind doch die armen Hunde, die sich alles gefallen lassen müssen, oder?“
Oder: „Mein Hund lässt sich von meinen Kindern alles gefallen. Die können ihn an den Ohren ziehen und auf ihm reiten und er macht nichts. Der wäre doch gut als Therapiebegleithund geeignet, oder?“ Nein! Therapiebegleithunde sind Lebewesen. Und sie haben ein Recht dazu, auch einmal „nein“ zu sagen. Ein ausgebildeter und geprüfter Hund wird dies auf eine höfliche Art und Weise machen. Und was noch wichtiger ist: Seine Halterin oder sein Halter wird sofort merken, wenn ihm etwas unangenehm ist und ihm in oder aus der Situation helfen. Die Halterin oder der Halter sind geschult eine Sitzung so zu gestalten, dass weder bei Mensch noch Tier zu viel Frust oder Stress aufkommen und vor allem niemandem Angst oder Schmerzen zugefügt werden. Auch wenn der Nutzen für den Menschen sehr groß ist, sobald der Hund Schaden nehmen könnte, ist die hundegestützte Intervention nicht die richtige Therapieform. Es gibt eine Vielzahl von anderen therapeutischen, pädagogischen oder betreuenden Maßnahmen, die in diesem Fall sinnvoller sind.

„Therapiebegleithunde sind doch Hunde, die keine Angst haben dürfen, oder?“ Nein! Angst ist biologisch sinnvoll. Die Verhaltensreaktion auf einen angstauslösenden Reiz ist für uns in diesem Zusammenhang interessant. Ein Therapiebegleithund zeigt eine Verhaltensreaktion in einem bestimmten Rahmen. Würde eine Gehhilfe umfallen und der Hund meidet diesen Platz tagelang, wäre dies erstens ein Zeichen für ein nötiges Verhaltenstraining. Und zweitens einer genaueren Betrachtung wert. Was passiert, wenn der Mensch den Hund in einer solchen Situation unterstützt? Kann er dann besser damit umgehen? Kann die Angst leicht gelöst werden? Sie sehen also, auch diese Fragen sind nicht eindeutig zu beantworten. Würde der Hund jedoch bei einer umfallenden Gehhilfe panisch flüchten, ist er vermutlich nicht für den Einsatz in der Therapie geeignet. Fällt die Gehhilfe um und der Hund weicht zurück, ist dies im normalen Rahmen. Die Gehhilfe kann als Beispiel durch jedes andere Szenario, das im Einsatz denkbar ist, ausgetauscht werden: Der vorbeifahrende Rollstuhl, der schreiende Klient, klappernde Hilfsmittel für die Pflege, quietschende Kinder, gestikulierende Menschen usw. Die Hunde sollten mit ungewohnten Geräuschen und neuen Situationen souverän umgehen können. Darum überprüfen wir die Hunde nicht nur vor, sondern auch während der Ausbildung und vor allem während des Einsatzes findet eine jährliche Kontrolle statt.

„Therapiebegleithunde, das sind doch die Streichelhunde, oder?“
Nicht unbedingt! Wenn Sie das Wort Therapiebegleithund hören, was kommt Ihnen in den Sinn? Vermutlich ein mittelgroßer, heller, kuscheliger Hund, der von Kindern, älteren Menschen, Menschen im Rollstuhl oder Menschen mit Beeinträchtigung gestreichelt wird. Das Bild ist richtig! Es ist jedoch nur ein winzig kleiner Teil unserer Arbeit. Therapiebegleithunde sollten die Berührung von Menschen natürlich genießen. Ansonsten wäre dies nicht der richtige Beruf für sie. Stundenlanges Streicheln oder Kuscheln müssen sie nicht dulden. Auch das Kontaktliegen dürfen sich unsere Hunde aussuchen. Wenn es für den Menschen in Ordnung ist, dürfen sich unsere Hunde zu ihm legen. Wenn sie dies freiwillig anbieten. Und beide, sowohl Mensch als auch Hund, dürfen den Kontakt jederzeit wieder beenden. Für uns ist es sehr wichtig, dass alle Beteiligten freiwillig und mit Freude dabei sind und aufeinander achten. Im Übrigen ist der Beruf des Therapiebegleithundes an keine Rasse, Größe und kein Aussehen geknüpft!

„Der Hund hat mich als ich an Ihrem Grundstück vorbeiging angebellt. Der darf doch kein Therapiebegleithund sein, oder?“
oder „Ihr Hund knurrt meinen Hund an, das dürfen Therapiebegleithunde doch nicht!“ Ein Therapiebegleithund ist und bleibt ein normaler Hund. Und darf und soll hündisches Ausdrucksverhalten zeigen. Der richtige Umgang des Menschen mit dem Verhalten des Hundes spielt eine wesentliche Rolle. Der Mensch sollte das Ausdrucksverhalten von Hunden richtig beobachten und interpretieren können. Und wissen, wann und wie er eingreift und wann eben auch nicht!

Der Unterschied zum Assistenzhund

Oft erzählen mir Eltern von beeinträchtigten Kindern: „Ich habe mir auch schon überlegt, für meine Tochter/meinen Sohn einen Therapiebegleithund auszubilden!“ Meist in dem Glauben, dass der Hund in der Familie lebt und ihre Tochter/ihren Sohn unterstützt. Therapiebegleithunde werden jedoch nicht für das Zusammenleben mit einzelnen Menschen ausgebildet. Dafür ist die Hundeberufsgruppe der Assistenzhunde zuständig.

Assistenzhunde sind z. B. Blindenführhunde, Assistenzhund für einen Menschen mit Diabetes/Epilepsie/ PTBS/Autismus,einen blinden Menschen,einen Menschen mit Hörbeeinträchtigung, einen Menschen mit motorischer Beeinträchtigung, u. v. m.. Ein Therapiebegleithund ist ein Besuchshund, der seine Halterin oder seinen Halter in einer therapeutischen Maßnahme unterstützt. Ein Assistenzhund lebt mit einem bestimmten Menschen zusammen und ist speziell für diesen ausgebildet.