Auswahl, Ausbildung und Prüfung, Einsatzbereiche

Die Rolle des Halters im Mensch-Hunde-Team
Die tiergestützte Intervention ist immer Teamarbeit. Halterin oder Halter und Tier sollten eine möglichst reibungsarme Kommunikation haben. Der verantwortliche Zweibeiner sollte einen abgeschlossenen Beruf und Berufserfahrung im therapeutischen, pädagogischen, sozialen, beratenden oder betreuenden Umfeld haben. Ist man also im beruflichen oder ehrenamtlichen Umgang mit dem jeweiligen Menschen einigermaßen sicher, kann man sich über den Hund als therapeutisches Medium Gedanken machen. Empathie, Achtsamkeit, Geduld und Lernfreude sind hilfreiche Eigenschaften, wenn man den Weg zum Therapiebegleithunde-Team gehen will.

Teambildung – Wie finde ich einen passenden Hund?
Es gibt mehrere Wege, wie man ein geprüftes Therapiebegleithunde-Team wird. In jedem Fall begleitet die Trainerin oder der Trainer Sie in einem Teamwerdungsprozess. Eine tiergestützte Intervention ist nur erfolgreich, wenn Halterin oder Halter und Hund als echtes Team agieren.

Im Idealfall sucht man sich den Hund aus, in dem man die Mutterhündin und auch den Vater der Welpen gut kennen lernt. Wenn die vierbeinigen Eltern den Kontakt mit Menschen mögen und man einen Eindruck der Lernfähigkeiten gewinnt, kann man sich ein vages Bild über deren Nachkommen machen. Es gibt natürlich keine Garantie, dass die Welpen genauso werden wie ihre Eltern. Es kann jedoch eine Entscheidungshilfe sein.

Hat man sich für einen Hundetyp und Wurf entschieden, ist natürlich auf die Aufzuchtbedingungen zu achten. Eine reizlose Aufzucht ist ebenso hinderlich wie ein gut gemeintes Überfordern der Welpen.

Egal ob Sie sich für einen Welpen entscheiden, oder vielleicht einen älteren Hund aus dem Tierschutz übernehmen. Nach Einzug des Hundes sollte, wie bei jedem anderen Hund auch, genug Zeit für die Eingewöhnung eingeplant werden.

Im Hundetraining sollten Sie sich für eine Hundeschule entscheiden, die ihren Schwerpunkt auf die Umweltsicherheit der Hunde legt. Die meisten Ausbildungsstätten für Therapiebegleithunde bieten diese Kurse an. Es macht also Sinn, sich gleich dorthin zu orientieren. Auf einem bröckelnden Fundament steht kein Haus! Die Basis für die Alltagssicherheit des Hundes und ein harmonisches Zusammenleben sollten bereits vorhanden sein, bevor der Hund das erste Mal überprüft wird.

Die erste Überprüfung findet mit frühestens 12 Monaten statt. Hierbei geht es um die Eignung von Mensch und Hund zur konkreten Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team. Ist das Team geeignet, dauert die Ausbildung ca. ein Jahr. Der Mensch lernt die Grundlagen des Ausdrucks- und Lernverhaltens, des Stress- und Gesundheitsmanagements des Hundes, der tiergestützten Intervention und die rechtlichen Grundlagen. Er lernt, was tiergestützte Intervention bedeutet, er lernt Therapieziele zu definieren, zu dokumentieren und die Einsätze samt Vor- und Nachbereitungen zu planen. Alle Zweibeiner müssen eine gewisse Anzahl von Beobachtungseinsätzen machen. D. h. sie gehen mit ausgebildeten Teams mit und beobachten die Sitzungen, um Ideen für die eigene Praxis zu sammeln. Darauf aufbauend folgt eine intensive Praxiszeit mit der Festigung der Alltagssicherheit und Grundlagen der tiergestützten Maßnahmen. Im Anschluss werden die Einsätze in Rollenspielen geübt und danach geht es in den assistierten Einsatz in verschiedene Bereiche. Die assistierten Einsätze sind in Österreich gesetzlich für die Ausbildung vorgeschrieben. Es müssen „Mindestens 8 Assistenzeinsätze in den letzten 6 Monaten vor Prüfantritt in mind. 2 versch. Institutionen mit mind. 2 versch. Einsatzgebieten…“ nachgewiesen werden.

Der Hund wird veterinärmedizinisch auf Eignung untersucht und darf anschließend zur 2. Überprüfung antreten. Da in Österreich die Therapiebegleithunde, deren Ausbildung, Überprüfungen und Einsätze durch das Bundesbehindertengesetz geregelt sind, werden die Teams von Sachverständigen gemäß der Richtlinien des Sozialministeriums geprüft und offiziell gelistet. Diese bestandene Prüfung befähigt das Team, selbständig in den Einsatz zu gehen. Insgesamt dauert die Grundausbildung also mindestens 24 Monate. Zur Aufrechterhaltung des Zertifikates und damit der Einsatzfähigkeit muss jedes Team jährlich zur Nachkontrolle durch die Sachverständigen geprüft werden. Dies ist eine wichtige Maßnahme, die eine veterinärmedizinische und Verhaltensüberprüfung beinhaltet.

Einsatzbereiche – vom Altenbereich bis zur Zahnarztangst

Therapiebegleithunde können in fast allen Bereichen eingesetzt werden. Sofern man den richtigen Hund für die jeweilige Aufgabe findet.

Mit dem Kinderpsychotherapeuten Boris M. Levinson begann in den 1960er Jahren die Entwicklung der tiergestützten Therapie. Er entdeckte, dass er mit Hilfe seines Hundes Zugang zu Kindern bekam, die er sonst nicht erreichte. Sie wurden durch die Anwesenheit seines Hundes ansprechbar. Im psychologischen, psychiatrischen Umfeld ist der Einsatz von Hunden bereits etabliert. Alleine die Anwesenheit reicht oft schon aus, damit die Therapeutin oder der Therapeut einen Zugang zum Patienten findet.

Auch in der Pädagogik sind Hunde wunderbare Helfer. Vom Kindergarten bis zur mittleren Reife werden sie sehr gerne für spezielle pädagogische, sozialintegrative Maßnahmen, zur Bewegungsförderung u.v.m. eingesetzt. Hunde können unterstützen, ein stressfreies Umfeld und damit eine gute Umgebung zum Lernen zu schaffen. Sie können in fast jede Form der Sozialarbeit integriert werden. Da sie zur Bewegung motivieren, können sie auch sehr gut zur Gesundheitsprävention eingesetzt werden. Und selbstverständlich sind Therapiebegleithunde aktive und lebendige Helfer, um Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, das Thema Tierschutz näher zu bringen.

Die Naturpädagogik beginnt mit der immer stärkeren Urbanisierung eine größere Rolle einzunehmen. Der Hund wird gerne als Bindeglied zur Natur genutzt. Vor allem Kinder finden so einen leichten Zugang zu diesen Themen.

In einigen Formen der manuellen Therapie, Physio- und Ergotherapie etc. kann der Hund zur Motivation eingesetzt werden. Körperliche Anstrengungen werden mitunter bei der Anwesenheit des Therapiebegleithundes nicht als solche empfunden.

Im Senioren- und Pflegebereich bringt der Besuch des Therapiebegleithunde-Teams neben der Abwechslung jede Menge Anregung, Förderung der Motorik und Lebensfreude und Gesprächsstoff für die nächsten Tage.

Der Einsatz von Hunden im Schwerstbehindertenbereich muss gut durchdacht und geplant werden. Nicht jeder Hund, und auch nicht jeder Mensch, ist dafür geeignet. Ist das Verhalten des Klienten oder Patienten völlig unkalkulierbar, darf kein Einsatz mit dem Hund geplant werden. Geht kein Risiko vom Menschen für den Hund aus, können diese Sitzungen sehr bereichernd für alle Beteiligten sein.

Auch im Businessbereich können Hunde zur Unterstützung eingesetzt werden. Unternehmensberater/innen können ausgebildete Hunde sehr gut zur Analyse bestehender Themen einbeziehen. In einem Coaching können Therapiebegleithunde unterstützen und begleiten.