Alles was funktioniert hat Recht?

  • Ich zupfe am Halsband, und der Hund hört auf zu ziehen.
  • Ich spritze den Hund mit Wasser an, und er hört auf zu bellen.
  • Ich kneife den Hund in die Flanken, damit er endlich zu mir schaut.
  • Ich blockiere den Hund mit meinem Körper, damit er nicht vor mir durch die Türe rennt.

Ich mach das alles, weil es funktioniert!

Schaut dieser Hund liebevoll, vertrauensvoll und respektvoll zu mir auf? Wenn Sie genauer hinschauen: Für wen funktioniert es? Es funktioniert für den Menschen. Es funktioniert für Sie als Hundehalterin oder als Hundehalter.

Die vier Beispiele sind eine Auswahl von Situationen, die so oder so ähnlich im Alltag von Hund und Mensch vorkommen können. In meinem Alltag kommen sie zum Glück schon lange nicht mehr vor. Oder ich habe diese Techniken noch überhaupt nie angewendet. Ich lade Sie zu einer gemeinsamen Betrachtung ein. Manchmal hilft es, die Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Ich zupfe am Halsband, und der Hund hört auf zu ziehen. Weil es ihm weh tut. Oder weil es ihm unangenehm ist. Er weiß, dass das von mir kommt. Wie lange hört er denn tatsächlich auf zu ziehen? Drei Schritte? Zehn Sekunden? Sie machen das jetzt schon drei Jahre, und der Hund kann noch immer nicht an der lockeren Leine gehen? Wir Zweibeiner werden dabei positiv verstärkt, denn es funktioniert ja – für ein paar Sekunden, ein paar Schritte. Daher machen wir es weiter. Nachhaltig ist es nicht. Vielleicht ist es Zeit, etwas anderes zu machen um ein anderes Verhalten zu bekommen?

Ich spritze den Hund mit Wasser an, und er hört auf zu bellen. Der Hund hört auf, weil er sich erschreckt. Und er hat vielleicht Angst. Und ja, er weiß genau, dass das von mir kommt. Auch wenn ich mich vorher verstecke. Warum hat der Hund überhaupt gebellt? Er hört zwar auf zu bellen. Geht seine Wut, sein Frust oder sogar seine Angst durch das Wasser ins Gesicht spritzen weg? Selbst wenn er gelernt hat nicht zu bellen, was wird er anstelle dessen machen, wenn er immer noch wütend, frustriert oder ängstlich ist?

Ich kneife den Hund in die Flanken, damit er endlich zu mir schaut. Er schaut zu mir, weil er sich erschreckt. Vielleicht tut es ihm auch weh. Ich werde für ihn immer unberechenbarer. Lernen Sie ihm doch ein motivierendes, freundliches, freudiges schau-mich-an-Signal! Eines, das sich lohnt. Kommunizieren Sie auch auf diese Weise mit Ihren Kindern oder Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin?

Ich blockiere den Hund mit meinem Körper, damit er nicht vor mir durch die Türe rennt. Klar macht er das nicht, ich schiebe ihn ja zur Seite. Er weiß, dass ich mich also bei Bedarf auch körperlich durchsetze. Er wird also bestenfalls immer „kuschen“ oder sich irgendwann (ebenso körperlich) zur Wehr setzen. Offene Türen sind interessant! Dahinter gibt es spannende Dinge. Unkontrolliertes Hinausrennen kann gefährlich sein, da stimme ich völlig zu. Und was ist, wenn ich einmal nicht zur Stelle bin, um die Türe zu blockieren? Barrieren – also Grenzen – als solche wahrzunehmen und ein Stopp zu lernen, ist durch Belohnung leichter und nachhaltiger.

Wo Wissen endet, beginnt Gewalt.

Schönrederei, weil es „ja funktioniert“ bedeutet Stillstand. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, sich weiter zu entwickeln. Den Willen dazu braucht es allerdings auch.